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Kennenlernspiele für die erste Schulstunde
Veröffentlicht am 09. August 2026
Von Norbert Hofmann
Die erste Stunde mit einer neuen Klasse entscheidet oft über den Ton für das ganze Schuljahr. Du hast als Klassenlehrkraft in der Regel nur eine einzige Schulstunde, also 45 Minuten, um Namen zu lernen, die Klasse ein bisschen kennenzulernen und nebenbei noch eine Sitzordnung zu klären. Das klingt nach viel, lässt sich aber schaffen, wenn du nicht versuchst, zehn Spiele unterzubringen, sondern einen klaren Ablauf mit wenigen, gut gewählten Elementen fährst. Dieser Artikel zeigt einen realistischen Zeitplan für 45 Minuten, konkrete Spiele mit Ablauf und Hinweise, wie du Namenlernen und Sitzordnung sinnvoll verbindest, statt sie als zwei getrennte Baustellen zu behandeln.
Der Rahmen: was in 45 Minuten realistisch ist
Rechne von Anfang an mit Reibungsverlust: Schüler kommen zu spät, jemand muss noch ein Elternformular abgeben, die Klassenliste stimmt nicht ganz. Plane deshalb nur 35 bis 38 Minuten aktive Zeit ein, der Rest ist Puffer.
Setz dir genau zwei Ziele für die Stunde: Namen so weit lernen, dass du und die Klasse sich gegenseitig ansprechen können, und eine erste Sitzordnung festlegen, die nicht in Stein gemeißelt ist. Alles andere - Klassenregeln, Materiallisten, Stundenplan - kann in die nächste Stunde wandern.
Zeitplan für die erste Stunde
Minute 0 bis 5: Begrüßung, kurze Vorstellung deiner Person, Ziel der Stunde nennen. Sag offen, dass ihr euch heute erst einmal kennenlernt und die Sitzordnung heute nur vorläufig ist.
Minute 5 bis 20: Namensspiel „Name plus Eigenschaft“ im Sitzkreis oder im Stuhlkreis, falls der Klassenraum das zulässt.
Minute 20 bis 35: Kurzes Kennenlerngespräch in Zweierteams plus Vorstellung des Partners vor der Klasse.
Minute 35 bis 43: Sitzordnung gemeinsam klären, siehe eigener Abschnitt weiter unten.
Minute 43 bis 45: Ausblick auf die nächsten Tage, Verabschiedung.
Namensspiel: Name plus Eigenschaft
Gruppengröße: 20 bis 30 Kinder oder Jugendliche, funktioniert im Klassenverband. Dauer: 15 Minuten. Material: keins.
1. Alle sitzen im Kreis oder, falls das nicht geht, in der bestehenden Sitzordnung, aber mit Blick zueinander.
2. Jede Person nennt ihren Vornamen zusammen mit einer Eigenschaft, die mit dem gleichen Anfangsbuchstaben beginnt, zum Beispiel „fröhliche Fiona“ oder „mutiger Max“.
3. Die nächste Person wiederholt die vorherigen Namen mit Eigenschaft und ergänzt ihre eigene.
4. Bei größeren Klassen ab etwa 25 Personen musst du nicht die komplette Kette bis zum Ende durchziehen - lass alle sechs bis acht Namen einen Reset machen und neu anfangen, sonst dauert es zu lange und die Motivation sinkt.
Du selbst machst als Lehrkraft mit und wiederholst die Namen ebenfalls laut - das zeigt der Klasse, dass dir die Namen wichtig sind, und hilft dir gleichzeitig beim eigenen Merken.
Kurzgespräch in Zweierteams
Gruppengröße: die ganze Klasse in Paaren. Dauer: 15 Minuten. Material: keins, optional ein Zettel mit drei Fragen als Gesprächshilfe.
1. Bilde Paare, am besten zufällig, zum Beispiel indem du abzählen lässt oder Kinder mit ähnlichem Schultaschenmotiv zusammenfindet.
2. Jedes Paar hat drei Minuten Zeit, um sich gegenseitig drei einfache Fragen zu stellen: Wie heißt du, was machst du gern in der Freizeit, worauf freust du dich in diesem Schuljahr.
3. Danach stellt jede Person kurz ihren Partner der Klasse vor, mit Namen und einer Information aus dem Gespräch.
4. Halte diesen Teil bewusst kurz - zwei Sätze pro Vorstellung reichen völlig, sonst sprengt es den Zeitplan.
Dieses Format funktioniert gut, weil schüchterne Kinder nicht sofort vor der ganzen Klasse sprechen müssen, sondern zuerst in einem geschützten Zweiergespräch ankommen.
Sitzordnung klären, ohne Streit zu provozieren
Sag der Klasse offen, dass die heutige Sitzordnung ein Versuch ist und nach ein bis zwei Wochen überprüft wird. Das nimmt Druck raus, weil niemand das Gefühl hat, für das ganze Jahr festgelegt zu werden.
Eine praktikable Methode: Du gibst die Anzahl der Plätze pro Tisch vor, lässt die Kinder aber innerhalb dieses Rahmens selbst wählen, mit wem sie sitzen. Das reduziert Widerstand erheblich, weil ein Stück Mitbestimmung dabei ist.
Falls du aus pädagogischen Gründen selbst steuern willst, etwa um bestimmte Konstellationen zu vermeiden, kannst du eine vorbereitete Sitzordnung zeigen und sie als Ausgangspunkt für die ersten Tage erklären, verbunden mit dem klaren Versprechen einer Anpassung.
Nutze die Namen aus dem vorherigen Spiel gleich praktisch: Wenn du beim Verteilen der Plätze Vornamen benutzt, festigst du sie noch einmal und die Klasse merkt, dass du sie ernst nimmst.
Was du in dieser ersten Stunde besser weglässt
Verzichte in der allerersten Stunde auf komplexe Gruppenspiele mit viel Bewegung oder Material - die Klasse kennt weder dich noch die Regeln deines Unterrichts, und zu viel Chaos am ersten Tag erschwert es, später Struktur aufzubauen.
Verzichte auch auf lange Regelbesprechungen in derselben Stunde wie das Kennenlernen. Beides gleichzeitig überfordert die Aufmerksamkeitsspanne, besonders bei jüngeren Klassen. Plane Klassenregeln für einen eigenen Termin ein.
Häufige Fragen
- Wie viele Spiele passen realistisch in 45 Minuten?
- Zwei gut geplante Elemente reichen völlig: ein Namensspiel und ein kurzes Kennenlerngespräch. Mehr führt in der Praxis meist zu Zeitdruck und einem gehetzten Eindruck.
- Soll die Sitzordnung schon in der ersten Stunde final sein?
- Nein. Kommuniziere von Anfang an, dass es sich um eine vorläufige Ordnung handelt, die nach ein bis zwei Wochen überprüft wird. Das nimmt Druck aus der Situation.
- Was mache ich mit sehr schüchternen Kindern in der ersten Stunde?
- Zweiergespräche vor der Klassenvorstellung nehmen viel Druck, weil niemand sofort allein vor allen sprechen muss. Zwing niemanden zu ausführlichen Beiträgen, ein Satz reicht am ersten Tag.
- Wie behalte ich als Lehrkraft selbst schnell die Namen?
- Mach beim Namensspiel aktiv mit, wiederhole Namen laut und nutze sie danach sofort praktisch, etwa beim Verteilen der Sitzplätze. Aktives Wiederholen wirkt deutlich besser als reines Zuhören.
- Was tue ich, wenn Schüler während der Stunde verspätet dazukommen?
- Begrüße sie kurz, integriere sie ohne große Unterbrechung in die laufende Aktivität und hol die Vorstellung notfalls informell am Rand nach, statt den ganzen Ablauf zu stoppen.
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