Spiele
Kennenlernspiele für die Grundschule
Veröffentlicht am 09. August 2026
Von Norbert Hofmann
Die erste Schulwoche entscheidet oft darüber, wie sicher sich Kinder in der neuen Klasse fühlen. Kennenlernspiele für die Grundschule müssen deshalb zwei Dinge gleichzeitig leisten: Namen und Gesichter vermitteln und dabei kein Kind in eine unangenehme Situation bringen. Kinder zwischen 6 und 10 Jahren haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, brauchen Bewegung und klare, einfache Regeln. Auswahlspiele, bei denen jemand als Letztes übrig bleibt oder ausgelacht werden könnte, gehören nicht in den Klassenraum. Die folgenden Spiele funktionieren im Sitzkreis, im Klassenzimmer und auf dem Pausenhof und lassen sich ohne großen Vorbereitungsaufwand umsetzen.
Worauf es bei Kennenlernspielen für Kinder ankommt
Kinder in der ersten Klasse oder beim Schulwechsel kennen die Regeln des Schulalltags noch nicht. Erkläre jedes Spiel deshalb in kurzen, einfachen Sätzen und mache eine Runde selbst vor, bevor die Klasse startet. Wiederhole die Regel notfalls zweimal mit anderen Worten.
Freiwilligkeit ist wichtig: Kein Kind sollte gezwungen werden, vor der Gruppe zu sprechen oder sich zu bewegen, wenn es das nicht möchte. Biete immer eine Alternative an, etwa „du darfst auch nur winken statt etwas zu sagen“.
Plane Spiele in Blöcken von 5 bis 10 Minuten. Wechsle zwischen ruhigen Sitzkreis-Spielen und Bewegungsspielen, damit die Konzentration erhalten bleibt.
Namenskreis mit Bewegung
Gruppengröße: 15 bis 30 Kinder, eine ganze Klasse. Dauer: 10 Minuten. Material: keins.
1. Alle Kinder stehen im Kreis. Die Lehrkraft beginnt und nennt ihren Namen mit einer passenden Bewegung, zum Beispiel Armeschwingen bei „Anna“.
2. Die ganze Klasse wiederholt Namen und Bewegung gemeinsam.
3. Das nächste Kind im Kreis nennt seinen eigenen Namen mit eigener Bewegung, danach wiederholt die Klasse wieder.
4. Das Spiel läuft reihum weiter, bis alle Kinder an der Reihe waren. Wer nicht möchte, darf den Namen der Nachbarin oder des Nachbarn übernehmen.
Der Ball mit dem Namen
Gruppengröße: 10 bis 25 Kinder. Dauer: 10 bis 15 Minuten. Material: ein weicher Softball.
1. Die Klasse steht oder sitzt im Kreis. Ein Kind hält den Ball und ruft den Namen eines anderen Kindes, bevor es ihm den Ball zuwirft.
2. Das Kind, das den Ball fängt, bedankt sich kurz und ruft dann den nächsten Namen, bevor es weiterwirft.
3. Wenn ein Name noch nicht bekannt ist, darf jederzeit nachgefragt werden, das wird vorher als normale Regel angekündigt.
4. Nach einigen Runden kann eine zweite, langsamere Wiederholung folgen, damit auch schüchterne Kinder sicherer werden.
Zwillinge finden auf dem Pausenhof
Gruppengröße: bis zu 30 Kinder. Dauer: 15 Minuten. Material: kleine Bildkärtchen, jedes Motiv doppelt (zum Beispiel Tiere).
1. Jedes Kind bekommt eine Karte, ohne sie den anderen zu zeigen.
2. Auf ein Startsignal laufen alle über den Pausenhof und versuchen, ihr passendes Gegenstück zu finden, indem sie Tierlaute oder Gesten des eigenen Motivs zeigen, ohne zu sprechen.
3. Haben sich zwei „Zwillinge“ gefunden, nennen sie sich gegenseitig ihren Namen und eine Lieblingssache.
4. Zum Abschluss stellt jedes Paar sein Zwilling-Motiv kurz der Klasse vor, wenn beide das möchten.
Sitzkreis-Spiel: Wer hat schon einmal ...
Gruppengröße: 10 bis 30 Kinder. Dauer: 10 Minuten. Material: Stuhlkreis mit einem Stuhl weniger als Kinder.
1. Ein Kind steht in der Mitte und sagt einen Satz, der auf viele zutreffen könnte, etwa „Wer hat schon einmal ein Haustier gehabt?“.
2. Alle Kinder, auf die das zutrifft, stehen auf und suchen sich einen anderen freien Stuhl, auch das Kind in der Mitte darf sich einen Platz sichern.
3. Wer am Ende keinen Stuhl bekommt, stellt die nächste Frage.
4. Wichtig: Keine Fragen zu Aussehen oder Leistung stellen, sondern zu Vorlieben und Erlebnissen, damit niemand bloßgestellt wird.
Umgang mit schüchternen Kindern
Manche Kinder brauchen mehr Zeit, um sich zu öffnen. Gib ihnen die Möglichkeit, zunächst zuzuschauen, und lobe kleine Schritte, statt aktive Teilnahme einzufordern.
Paararbeit vor der Großgruppe hilft: Zwei Kinder tauschen sich zuerst zu zweit aus, bevor sie vor der Klasse sprechen müssen. Das senkt die Hemmschwelle deutlich.
Häufige Fragen
- Ab welcher Klassenstufe eignen sich diese Spiele?
- Die vorgestellten Spiele passen für die Klassen 1 bis 4, also für Kinder von 6 bis 10 Jahren. Für jüngere Kinder solltest du die Regeln noch einfacher formulieren und öfter vormachen.
- Wie gehe ich mit Kindern um, die nicht mitmachen wollen?
- Zwinge niemanden zur Teilnahme. Biete eine Beobachterrolle an oder eine kleinere Aufgabe, etwa nur winken statt sprechen. Oft steigen Kinder nach ein paar Minuten von selbst ein.
- Wie lange sollte eine Kennenlerneinheit in der Grundschule dauern?
- Plane für die erste Schulwoche insgesamt 30 bis 45 Minuten pro Tag ein, aufgeteilt in mehrere kurze Spiele von 5 bis 15 Minuten mit Pausen dazwischen.
- Was tun, wenn ein Spiel zu unruhig wird?
- Nutze ein vereinbartes Stoppsignal wie Handheben oder eine Klangschale. Erkläre das Signal vorab und übe es einmal kurz, bevor das eigentliche Spiel beginnt.
- Eignen sich diese Spiele auch für den Pausenhof bei schlechtem Wetter?
- Die Spiele im Klassenraum wie Namenskreis, Ballspiel und Sitzkreis funktionieren unabhängig vom Wetter. Nur das Zwillingsspiel braucht mehr Platz und eignet sich besser draußen oder in der Turnhalle.
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