Beruf
Kennenlernrunde im Workshop moderieren
Veröffentlicht am 09. August 2026
Von Norbert Hofmann
Eine Kennenlernrunde zu Beginn eines Workshops entscheidet oft mit darüber, wie offen die Gruppe später in den Arbeitsphasen mitarbeitet. Als Trainerin oder Moderator trägst du die Verantwortung dafür, dass die Runde einen klaren Rahmen hat, niemand zu lange spricht und trotzdem alle zu Wort kommen, die etwas sagen möchten. Dieser Artikel zeigt dir, wie du den Rahmen setzt, Zeit sichtbar begrenzt, selbst vorlegst, mit Vielrednern und Schweigern umgehst und die Runde sauber in die eigentliche Arbeitsphase überleitest.
Rahmen setzen, bevor die Runde beginnt
Erkläre vor der ersten Wortmeldung kurz, was du dir von der Runde wünschst: zum Beispiel Name, Funktion und eine kurze Antwort auf eine konkrete Frage. Ein klarer Rahmen nimmt der Gruppe die Unsicherheit, was von ihr erwartet wird.
Nenne außerdem, wie viel Zeit die gesamte Runde einnehmen soll, etwa „Wir nehmen uns dafür rund zehn Minuten“. Das signalisiert allen, dass kurze Beiträge gewünscht sind, ohne dass du das später einzeln durchsetzen musst.
Mach zu Beginn deutlich, dass die Teilnahme an der Frage freiwillig ist und ein kurzer Beitrag genauso in Ordnung ist wie ein ausführlicherer. Das entspannt besonders Personen, die ungern im Mittelpunkt stehen.
Zeit pro Person begrenzen und sichtbar machen
Gib eine grobe Richtzeit pro Person an, etwa 30 Sekunden, und mache sie sichtbar, indem du sie auf einer Folie zeigst oder auf einem Flipchart notierst. Eine sichtbare Zeitangabe wirkt weniger streng als eine mündliche Ermahnung mitten im Beitrag.
Bei Bedarf kannst du eine Uhr oder einen Timer sichtbar mitlaufen lassen, ohne ihn dramatisch einzusetzen. Schon das bloße Vorhandensein einer sichtbaren Zeit sorgt dafür, dass sich viele von selbst kürzer fassen.
Wenn eine Person die Zeit deutlich überschreitet, greife freundlich und konkret ein, etwa mit „Danke, das reicht für den Moment, wir kommen später gern noch mal drauf zurück“. So bleibst du klar, ohne die Person bloßzustellen.
Selbst vorlegen
Wenn du die Frage für die Runde selbst zuerst beantwortest, zeigst du der Gruppe konkret, wie kurz und in welcher Form eine Antwort gemeint ist. Das nimmt Unsicherheit aus der Runde und macht die Erwartung greifbar statt abstrakt.
Wähle für dein eigenes Beispiel bewusst eine kurze, unkomplizierte Antwort, damit sich niemand unter Druck gesetzt fühlt, ein besonders originelles oder langes Beispiel zu übertreffen.
Wenn du unsicher bist, welche Frage sich für die Gruppe eignet, kannst du dir vorab passende Fragen zusammenstellen, statt spontan im Workshop danach zu suchen.
Umgang mit Vielrednern und Schweigern
Bei Vielrednern hilft es, frühzeitig und höflich zu unterbrechen, statt lange zu warten. Ein Satz wie „Ich unterbreche dich kurz, damit wir auch die anderen noch hören“ macht deutlich, dass es an der Struktur liegt und nicht an der Person selbst.
Bei Schweigern gib genug Raum, ohne Druck aufzubauen. Wenn jemand nur kurz antwortet oder passt, akzeptiere das ohne Nachfragen und gehe direkt weiter, damit die Person sich nicht in den Mittelpunkt gedrängt fühlt.
Eine feste Reihenfolge, etwa im Kreis oder nach Sitzordnung, nimmt dir als Moderatorin die Entscheidung ab, wer als Nächstes spricht, und verhindert, dass sich immer dieselben Personen zuerst melden.
Wenn eine Person merklich unwohl wirkt, kannst du im Nachgang der Runde einzeln anbieten, dass sie sich später noch privat bei dir melden kann, statt sie in der Gruppe darauf anzusprechen.
Übergang in die Arbeitsphase
Fasse am Ende der Runde kurz zusammen, was du gehört hast, etwa „Wir haben jetzt gesehen, dass viele hier zum ersten Mal in dieser Konstellation zusammenarbeiten“. Das rundet die Kennenlernrunde ab und macht den Übergang spürbar.
Leite direkt danach zur Agenda über, statt die Auflockerung noch länger auszudehnen. Ein Satz wie „Damit steigen wir jetzt in den ersten Programmpunkt ein“ markiert den Wechsel klar für alle.
Wenn die Kennenlernrunde inhaltliche Punkte aufgeworfen hat, die später relevant werden, notiere sie sichtbar, damit die Gruppe merkt, dass ihre Beiträge tatsächlich aufgegriffen und nicht nur pflichtgemäß angehört wurden.
Häufige Fragen
- Wie lange sollte eine Kennenlernrunde im Workshop dauern?
- Bei kleineren Gruppen reichen etwa zehn Minuten mit rund 30 Sekunden pro Person. Bei größeren Runden solltest du entweder die Zeit pro Person weiter kürzen oder ein Format mit gleichzeitiger Beteiligung wählen.
- Wie gehe ich mit jemandem um, der deutlich länger spricht als vorgesehen?
- Unterbrich freundlich und konkret, etwa mit dem Hinweis, dass ihr später gern noch einmal darauf zurückkommt. Wichtig ist, die Zeitgrenze für alle gleichermaßen durchzusetzen.
- Muss jede Person in der Kennenlernrunde etwas sagen?
- Nein, mach zu Beginn deutlich, dass die Teilnahme freiwillig ist und eine kurze Antwort oder ein Passen völlig in Ordnung ist.
- Wie finde ich eine passende Frage für die Kennenlernrunde?
- Ein Fragen-Generator für die Gruppe kann dir helfen, eine zum Anlass passende Frage vorab auszuwählen, statt im Workshop spontan improvisieren zu müssen.
- Wie leite ich von der Kennenlernrunde in die Arbeitsphase über?
- Fasse kurz zusammen, was du in der Runde gehört hast, und markiere den Übergang mit einem klaren Satz, der direkt zum ersten Agendapunkt führt.
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