Spiele
Kennenlernspiele für Seminar und Workshop
Veröffentlicht am 09. August 2026
Von Norbert Hofmann
Ein Seminar beginnt selten mit leeren Köpfen. Die Teilnehmenden bringen Vorwissen, Erwartungen und oft auch eine gewisse Skepsis gegenüber „Spielchen“ mit. Kennenlernspiele im Seminarkontext haben deshalb eine doppelte Aufgabe: Sie sollen Namen und Gesichter verbinden, gleichzeitig aber auch erste inhaltliche Anknüpfungspunkte schaffen. Wer das Format klug wählt, spart sich später Zeit, weil die Teilnehmenden von Anfang an wissen, worauf es ankommt und wer im Raum sitzt.
Was Kennenlernspiele im Seminar leisten sollen
Anders als bei einer privaten Feier zählt im Seminar nicht nur der Spaßfaktor. Der Einstieg soll Namen sichern, die Gruppenzusammensetzung transparent machen und die Teilnehmenden aktivieren, ohne unnötig Zeit zu kosten. Ein gutes Kennenlernspiel im Seminar liefert dir als Trainer außerdem erste Informationen: Wer hat mit dem Thema schon Erfahrung, wer ist zum ersten Mal dabei, welche Erwartungen liegen vor.
Deshalb lohnt es sich, den Einstieg nicht isoliert zu planen, sondern als ersten inhaltlichen Baustein zu verstehen. Ein Format, das Erwartungen und Vorwissen abfragt, ersetzt keine separate Bedarfsklärung, liefert aber schon einen groben Überblick, mit dem du den weiteren Ablauf feinjustieren kannst.
Erwartungen und Vorwissen sichtbar machen
Das Format „Erwartungs-Barometer“ verbindet Namensrunde mit inhaltlicher Standortbestimmung. Gruppengröße: 6 bis 30 Personen. Dauer: 15 bis 25 Minuten. Material: Moderationskarten in zwei Farben, dicke Stifte, Pinnwand.
1. Jede Person schreibt auf eine Karte ihren Namen und eine Erwartung an das Seminar, auf die zweite Karte ein Stichwort zum eigenen Vorwissen („Einsteiger“, „schon mal gehört“, „arbeite täglich damit“).
2. Reihum stellt sich jeder kurz vor und pinnt beide Karten an die Wand, sortiert nach Themenclustern oder Vorwissensstufen.
3. Du fasst die entstandenen Cluster mündlich zusammen und ordnest sie dem geplanten Seminarablauf zu, damit die Gruppe sieht, wo ihre Erwartungen aufgegriffen werden.
4. Karten mit Erwartungen, die im Seminar nicht bedient werden können, benennst du offen und erklärst, wo sie stattdessen ansetzen könnten.
Formate, die inhaltlich anschlussfähig sind
Besonders effizient sind Kennenlernspiele, die später im Seminar wieder aufgegriffen werden können. Das Format „These oder Erfahrung“ eignet sich dafür gut. Gruppengröße: 8 bis 25 Personen. Dauer: 15 Minuten. Material: keines, alternativ ein Flipchart mit vorbereiteten Thesen zum Seminarthema.
1. Du liest drei bis vier Thesen zum Seminarthema vor, zum Beispiel „Ich habe schon mal ein Projekt nach dieser Methode geleitet“.
2. Wer zustimmt, stellt sich auf eine Seite des Raums, wer widerspricht, auf die andere.
3. Zwei bis drei Personen aus jeder Gruppe nennen kurz ihren Namen und einen Satz zu ihrer Position.
4. Du notierst wiederkehrende Argumente auf dem Flipchart und verweist im späteren Seminarverlauf gezielt darauf zurück.
So verbindest du das Kennenlernen mit einer ersten inhaltlichen Positionierung, die du später als roten Faden nutzen kannst.
Zeitbudget im Seminarplan realistisch einplanen
In der Seminarplanung wird der Einstieg oft unterschätzt. Rechne für eine Gruppe bis 15 Personen mit mindestens 15 Minuten, ab 20 Personen eher mit 25 bis 30 Minuten, wenn jede Person kurz zu Wort kommen soll. Willst du die Zeit knapp halten, wähle Formate mit Kleingruppen statt Plenumsrunden, denn parallele Vorstellungsrunden sparen deutlich Zeit.
Plane außerdem einen Puffer für technische Verzögerungen ein, etwa wenn Flipcharts erst aufgebaut oder Karten verteilt werden müssen. Ein zu knapp kalkulierter Einstieg führt schnell dazu, dass die erste inhaltliche Einheit gehetzt beginnt, was sich negativ auf die gesamte Seminaratmosphäre auswirkt.
Umgang mit Teilnehmenden, die nicht spielen wollen
In fast jedem Seminar gibt es Personen, die Kennenlernspiele als unangenehm oder überflüssig empfinden, oft aus Erfahrungen mit zu kindlichen Formaten. Wichtig ist, dass niemand zur aktiven Teilnahme gezwungen wird. Kürzere sprachliche Beiträge, etwa nur Name und eine Erwartung in einem Satz, senken die Hemmschwelle deutlich.
Wenn du merkst, dass die Stimmung insgesamt zurückhaltend ist, wechsle zu einem Format ohne körperliche Aktivität, etwa der schriftlichen Kartenabfrage. Erkläre kurz und sachlich, warum der Einstieg Teil des Seminarkonzepts ist, ohne ihn zu rechtfertigen oder überzubetonen.
Moderationsmaterial vorbereiten
Für die meisten Seminarformate reicht ein überschaubares Set: Moderationskarten in zwei bis drei Farben, dicke wasserfeste Stifte, eine Pinnwand oder ein Flipchart und Klebepunkte für Priorisierungen. Bereite die Karten möglichst vor dem Seminar in ausreichender Menge vor, damit während der Übung keine Wartezeiten entstehen.
Beschrifte das Flipchart schon vorab mit der Fragestellung oder den Thesen, das spart Zeit und wirkt professioneller als spontanes Anschreiben während der Übung. Halte zusätzliche Stifte bereit, sie gehen in Seminaren erfahrungsgemäß schnell verloren.
Übergang in die Arbeitsphase gestalten
Der Übergang vom Kennenlernen zur inhaltlichen Arbeit sollte fließend sein, nicht abrupt. Greife am Ende der Kennenlernrunde explizit auf, was aufgefallen ist: gemeinsame Erwartungen, unterschiedliche Erfahrungsstufen, kontroverse Thesen. Formuliere daraus einen Satz, der zur ersten inhaltlichen Einheit überleitet.
Beispielsweise kannst du sagen: „Wir haben gesehen, dass die meisten von euch bereits erste Erfahrungen mitbringen, deshalb steigen wir heute nicht bei den Grundlagen ein, sondern direkt bei den Praxisfällen.“ So erleben die Teilnehmenden den Einstieg nicht als Fremdkörper, sondern als sinnvollen ersten Schritt des Seminars.
Häufige Fragen
- Wie viel Zeit sollte ich für Kennenlernspiele im Seminar einplanen?
- Für kleinere Gruppen bis 15 Personen reichen meist 15 Minuten, größere Gruppen brauchen eher 25 bis 30 Minuten. Kleingruppenformate lassen sich schneller durchführen als Plenumsrunden, da mehrere Vorstellungen parallel laufen.
- Wie gehe ich mit Teilnehmenden um, die keine Spiele mögen?
- Zwang erzeugt Widerstand und wirkt sich negativ auf die Seminaratmosphäre aus. Biete kurze, wenig exponierte Formate wie schriftliche Kartenabfragen an und erkläre kurz den Sinn des Einstiegs, ohne ihn zu rechtfertigen.
- Wie verbinde ich Kennenlernen und Inhalt sinnvoll?
- Wähle Formate, die bereits Erwartungen, Vorwissen oder erste Positionen zum Thema abfragen, etwa Thesen-Positionierungen oder Erwartungskarten. Diese Ergebnisse kannst du im weiteren Seminarverlauf konkret wieder aufgreifen.
- Welches Material brauche ich für Kennenlernspiele im Seminar?
- In der Regel reichen Moderationskarten, dicke Stifte und eine Pinnwand oder ein Flipchart. Bereite Karten und Beschriftungen vorab vor, damit während der Übung keine Wartezeiten entstehen.
- Wie leite ich vom Einstieg in die erste Arbeitsphase über?
- Greife die Ergebnisse der Kennenlernrunde explizit auf und verbinde sie mit einem Satz mit dem nächsten Programmpunkt. So wirkt der Einstieg nicht wie ein separater Programmpunkt, sondern wie der erste inhaltliche Baustein des Seminars.
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