Beruf
Kennenlernformate für Remote-Teams
Veröffentlicht am 09. August 2026
Von Norbert Hofmann
Wenn dein Team über verschiedene Standorte oder sogar Zeitzonen verteilt ist, entstehen persönliche Beziehungen nicht mehr nebenbei am Kaffeeautomat, sondern nur dann, wenn du dafür bewusst Raum schaffst. Als Teamlead oder Trainer stehst du dabei vor der Frage, welche Formate im Videocall wirklich funktionieren, welche sich besser asynchron organisieren lassen und wie du Zeitzonen und gemischte Präsenz-Remote-Runden fair gestaltest. Dieser Artikel gibt dir konkrete Ansätze für all diese Situationen, immer mit Freiwilligkeit als Grundprinzip.
Videocall-Formate, die tragen
Ein kurzer informeller Check-in zu Beginn eines Calls, bei dem jede Person kurz erzählt, wie die Woche läuft, schafft mehr persönliche Verbindung als jedes aufwendige Format, weil er regelmäßig und ohne großen Aufwand stattfindet.
Für ein tieferes Kennenlernen eignen sich Kleingruppen-Videocalls mit drei bis vier Personen besser als große Runden, weil dort tatsächlich alle zu Wort kommen und ein echtes Gespräch statt einer Aneinanderreihung von Statements entsteht.
Wenn du strukturierte Fragen für einen Videocall zum Kennenlernen suchst, findest du in unserer Spielesammlung für Online-Formate passende Anregungen, die sich ohne großen Vorbereitungsaufwand einsetzen lassen.
Achte bei jedem Videocall-Format darauf, dass niemand zur aktiven Teilnahme gedrängt wird, wer lieber zuhört, sollte das auch in einem kleineren Kennenlerncall dürfen.
Asynchrone Formate sinnvoll einsetzen
Nicht jedes Kennenlernen muss live stattfinden. Ein Kanal, in dem Teammitglieder freiwillig kurze persönliche Updates oder Fotos aus dem Alltag teilen, funktioniert über Zeitzonen hinweg und ohne Terminfindung.
Auch ein einfaches Frage-der-Woche-Format, bei dem eine Frage im Team-Chat gepostet wird und jeder in eigenem Tempo antwortet, sorgt für Austausch, ohne dass alle gleichzeitig online sein müssen.
Wichtig ist, dass asynchrone Formate nicht als Pflichtaufgabe wirken. Eine Frage im Chat, auf die niemand antworten muss, bleibt ein Angebot und wird eher angenommen als eine Aufforderung mit Deadline.
Zeitzonen fair berücksichtigen
Wenn dein Team über mehrere Zeitzonen verteilt ist, wechsle die Uhrzeit für gemeinsame Kennenlernformate regelmäßig, statt immer dieselbe Gruppe zu bevorzugen, die zufällig zur Standardzeit passt.
Plane Live-Formate möglichst so, dass sie für alle Beteiligten in eine vertretbare Arbeitszeit fallen, auch wenn das bedeutet, dass ein Termin für eine Gruppe etwas früher und für eine andere etwas später liegt als gewohnt.
Für Personen, die aufgrund der Zeitzone regelmäßig an Live-Formaten nicht teilnehmen können, lohnt sich ein zusätzliches asynchrones Angebot, damit sie nicht dauerhaft von Kennenlernmomenten ausgeschlossen bleiben.
Gemischte Präsenz-Remote-Runden moderieren
In gemischten Runden, in denen ein Teil des Teams im Raum sitzt und ein Teil zugeschaltet ist, entsteht leicht eine Zweiklassen-Situation, weil die Personen im Raum untereinander leichter ins Gespräch kommen als mit den zugeschalteten Kolleginnen und Kollegen.
Achte als Moderator aktiv darauf, zugeschaltete Personen gezielt anzusprechen und ihnen genauso viel Redezeit einzuräumen wie den Personen im Raum, statt sie nur am Rand mitlaufen zu lassen.
Technisch hilft es, wenn jede zugeschaltete Person einen eigenen Bildschirm und eine eigene Kamera hat, statt dass mehrere Remote-Personen über eine gemeinsame Verbindung an einer schlecht sichtbaren Ecke des Raums teilnehmen.
Bei Kennenlernformaten in gemischten Runden eignen sich Aufgaben, die unabhängig vom Ort funktionieren, etwa eine gemeinsame Frage, die reihum beantwortet wird, statt Formate, die auf physische Nähe angewiesen sind.
Reziprozität und Rapport über Distanz aufbauen
Persönliche Beziehungen entstehen im Remote-Team nicht automatisch, sondern nur dann, wenn beide Seiten etwas von sich teilen. Wenn du als Moderator selbst eine ehrliche Antwort auf eine Kennenlernfrage gibst, macht es anderen leichter, ebenfalls offen zu antworten.
Aktives Zuhören spielt auch im Videocall eine große Rolle. Wiederhole kurz, was jemand gesagt hat, bevor du zur nächsten Person weitergehst, das zeigt, dass ein Beitrag tatsächlich angekommen ist und nicht nur abgehakt wurde.
Verzichte bewusst auf Formate, die Teilnehmende zu persönlichen Aussagen drängen, etwa durch Gruppendruck oder das Gefühl, als Einzige eine Frage nicht beantwortet zu haben. Freiwilligkeit bleibt auch hier die Grundlage für echten Rapport.
Häufige Fragen
- Welches Videocall-Format eignet sich am besten für ein erstes Kennenlernen im Remote-Team?
- Kleingruppen mit drei bis vier Personen funktionieren meist besser als große Runden, weil dort tatsächlich alle aktiv ins Gespräch kommen.
- Wie kann ich Kennenlernen im Team ermöglichen, ohne zusätzliche Meetings anzusetzen?
- Asynchrone Formate wie ein freiwilliger Chat-Kanal für persönliche Updates oder eine Frage der Woche schaffen Austausch, ohne dass alle gleichzeitig online sein müssen.
- Wie gehe ich fair mit unterschiedlichen Zeitzonen im Team um?
- Wechsle die Uhrzeit für gemeinsame Termine regelmäßig und ergänze asynchrone Angebote für Personen, die an Live-Formaten nur selten teilnehmen können.
- Wie verhindere ich, dass Remote-Personen in gemischten Runden untergehen?
- Sprich zugeschaltete Personen aktiv an, achte auf gleiche Redezeit und sorge für eine technische Ausstattung, bei der jede Person gut sichtbar und hörbar ist.
- Müssen alle Teammitglieder an Kennenlernformaten im Remote-Team teilnehmen?
- Nein, Freiwilligkeit sollte immer gelten. Angebote wirken glaubwürdiger und werden eher angenommen, wenn niemand zur Teilnahme gedrängt wird.
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